Nutria-Abschuss in der Rheinaue
Linksfraktion bedauert Ablehnung von tierschutzgerechten Alternativen und Gremienbeteiligung / Nur Informationspflicht zu Monitoring-Ergebnissen beschlossen
Nach der Ankündigung der Stadtverwaltung vom 11. Mai, den Nutria-Bestand am Rheinauensee in den kommenden Monaten wieder durch Bejagung und Tötung zu reduzieren, hat die Linksfraktion einen umfassenden Dringlichkeitsantrag in den Umweltausschuss am 19. Mai eingebracht. Das Ziel: Die unangekündigte Jagd in dem viel besuchten Erholungsgebiet sofort zu stoppen und stattdessen das Steriliations-Pilotprojekt mit dem Deutschen Tierschutzbund wieder aufzunehmen. Lediglich Punkt 3 des dringlichen Antrags fand eine Mehrheit im Gremium: Die Verwaltung wird nun verpflichtet, die bisher unter Verschluss gehaltenen Monitoring-Ergebnisse, Zählungen der Jahre 2024/2025 sowie eine fundierte Schadensevaluation bezüglich der angeknabberten Vegetation vollständig offenzulegen.
Die weitreichenden Forderungen der Linksfraktion nach Sterilisation, Bejagungsstopp und Gremienbeteiligung wurden hingegen von einer konservativen Mehrheit aus CDU, BBB, AfD und BSW und Volt abgelehnt.
„Es ist ein wichtiger Teilerfolg, dass die Verwaltung die Daten des angeblichen Populationsmanagements endlich transparent auf den Tisch legen muss. Dass die Mehrheit jedoch zeitgleich grünes Licht für das Fortsetzen der Tötungen geben und tierschutzkonforme Alternativen blockieren, ist ein Armutszeugnis für den Tierschutz in Bonn“, erklärt Janine Könen, tierschutzpolitische Sprecherin der Linksfraktion und Mitglied des Umweltausschusses.
Abgelehnt wurde neben dem sofortigen Jagdstopp auch die Wiederaufnahme des tierschutzgerechten Sterilisations-Pilotprojekts, welches Linksfraktion, verschiedene Bürgeranträge und der Deutsche Tierschutzbund mehrfach vorgeschlagen haben. Die EU-Kommission hatte auf parlamentarische Anfrage zu Art. 19 der EU-Invasiven-Verordnung ausdrücklich klargestellt, dass Kommunen keineswegs zum Töten gezwungen sind, sondern Sterilisations- und Kastrationsprojekte rechtlich vollkommen zulässige und harmonisierte Managementmaßnahmen darstellen. Dass Bonn diese schmerzfreie Methode zugunsten von Abschlüssen opfert, stößt auf Unverständnis.
Besonders kritisch bewertet die Linksfraktion Bonn auch die Ablehnung der künftigen Vorab-Beteiligung politischer Gremien: „Dass die Verwaltung fundamentale Eingriffe in die innerstädtische Fauna einfach per Pressemitteilung an den gewählten Ausschüssen vorbei verkünden darf, entmachtet die Politik und verhindert eine demokratische Debatte vor vollendeten Tatsachen.“ Die Linksfraktion kündigt an, die nun einzufordernden Monitoring-Daten akribisch zu prüfen und weiter für gewaltfreie und nachhaltige Lösungen der Populationskontrolle zu streiten.

