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Thomas Wedde

Tourismusbranche: Jede/r zweite Bonner Beschäftigte unterhalb Niedriglohnschwelle!

Bildquelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Trotz Fachkräftemangels werden in der Tourismusbranche Niedriglöhne gezahlt. 56,7 Prozent (2.175 Beschäftigte) der Bonner Vollzeitbeschäftigten in Tourismusbranche und Gastgewerbe erhalten nur Niedriglöhne unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle von 1.802 EUR[1].  

Von allen bundesweit rund 940.000 Vollzeitbeschäftigten im Gastgewerbe, das die Hotellerie und die Gastronomie umfasst, sowie der Tourismusbranche mit Reisebüros und Reiseveranstaltern, erzielen 68,1 Prozent der Beschäftigten ein Einkommen unterhalb der aktuellen Niedriglohnschwelle von 1.802 Euro. Zum Vergleich: In allen Branchen sind es bundesweit etwa 23 Prozent. Erreicht wird die Niedriglohnschwelle, wenn Beschäftigte trotz Vollzeitarbeit nur weniger als zwei Drittel des Durchschnittslohns erhalten.

Im gesamten Gastgewerbe stehen den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fast ebenso viele Minijobberinnen und Minijobber gegenüber. In Bonn liegt das Verhältnis von etwa 6.611 sozialversicherungspflichtig zu 4.709 geringfügig Beschäftigten etwas besser. Allerdings stellt die geringfügige Beschäftigung mit maximal 400 EUR für 3.277 Menschen die einzige Erwerbsquelle dar.

Dazu erklärt Thomas Wedde,  wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion Bonn: "Der Tourismus in der Region wächst, die Übernachtungszahlen steigen, gerade der Städtetourismus boomt. Angesichts des sich anbahnenden Fachkräftemangels befürchte ich, dass unser hohes Niveau im Hotel- und Gaststättenbereich nicht mehr lange gehalten werden kann. Für Bonn hätte das deutliche Folgen, denn etwa jeder Zehnte lebt hier direkt oder indirekt vom Tourismus bzw. dem Gastgewerbe. Deshalb müssen Löhne und Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden. Junge Menschen brauchen gute Perspektiven und Anreize, sich für eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe zu entscheiden."

Die Branche ist gefordert, aber auch die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Trotz der beachtlichen Bemühungen seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes und beinahe 90.000 neuen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen in den letzten zehn Jahren bundesweit, bleibt es dabei: fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Tourismusbranche ist ein Minijob. Die untersten Tariflöhne im Gastgewerbe liegen nur knapp über 6,00 Euro. Das Durchschnittsgehalt beträgt gerade einmal 1.400 Euro brutto für eine Vollzeitstelle. ?Davon kann man nicht leben. Die schwarz-gelbe Bundesregierung sieht tatenlos zu. Dabei brauchen wir dringend einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 10,00 EUR,? bekräftigt Thomas Wedde.


[1] vgl. Excel-Datei: Download, erstellt von der Statistikstelle der Bundesagentur für Arbeit, 10.07.2012, Titel: ?Beschäftigung und Entgelte in ausgewählten Wirtschaftszweigen?, Impressum: Statistik Datenzentrum, Regensburger Straße 104, 90478 Nürnberg.