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Tierversuche in Bonn - Stadt soll Uni stärker kontrollieren

Zum Internationalen Tag des Versuchstiers am morgigen 24. April 2019 erklärt Dr. Michael Faber, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion:

Trotz allem wissenschaftlichen Fortschritt stagniert die Zahl der Tiere, die in Forschungslaboren zu Versuchszwecken eingesetzt und getötet werden, weiterhin auf hohem Niveau - deutschlandweit werden nach Zahlen des BMEL gut 2,8 Mio. Tiere zu Versuchszwecken gehalten. Wie eine Anfrage der Linksfraktion* an die Stadtverwaltung jetzt ergab, waren im letzten Berichtsjahr (2017) immerhin auch knapp 60.000 Tiere in Bonn als Versuchstiere gemeldet: neben Fischen und Amphibien vor allem Mäuse, vereinzelt auch Nutztiere wie Schweine, Schafe und Hühner. 

Primaten wurden in Bonn zumindest in den letzten Jahren nicht in Tierversuchen verwendet – aber auch die anderen Tiere leiden in ihrem kurzen Leben im Versuchslabor unter Schmerzen, Stress und Angst. Unabhängig von der Frage der ethischen Legitimität und auch der wissenschaftlichen Notwendigkeit der Tierversuche im Einzelfall ist die penible Einhaltung zumindest der tierschutzrechtlichen Bestimmungen das Mindeste, das im Sinne der Tiere erwartet werden muss. Die Einhaltung dieser Bestimmungen zu gewährleisten, liegt nicht zuletzt auch in der Verantwortung der Stadtverwaltung. Schließlich ist diese als Kreisordnungsbehörde für die Überwachung der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sowie der einzelnen, für den jeweiligen Versuch festgelegten Auflagen und Nebenbestimmungen zuständig. Von einer systematischen Kontrolle der Haltungsbedingungen und der Tierversuche selbst ist die Stadt aber weit entfernt, wie die Ergebnisse der Anfrage der Linksfraktion belegen. Während 2016 gar keine Versuchskontrollen durchgeführt wurden, waren es 2017 insgesamt 19 Kontrollen und 2018 dann 57 Kontrollen. Die Steigerung binnen der vergangenen zwei Jahre ist insbesondere auf eine personelle Stärkung zurückzuführen, die die Linksfraktion begrüßt. Angesichts von 60.000 Versuchstieren in unserer Stadt ist die Zahl der Kontrollen aber aus unserer Sicht noch immer nicht ausreichend. Dass hierbei dann auch noch in 11 bzw. 24 Fällen und damit ungefähr bei jeder zweiten Kontrolle Regelverstöße festgestellt wurden, unterstreicht, dass die Stadt ihre Aufsichtsfunktion in diesem Bereich intensivieren sollte.

Tierversuche werden in Bonn fast ausschließlich durch die Universität und deren Institute durchgeführt, zu denen die Stadtspitze sich stets um ein gutes Verhältnis bemüht. Zum Schutz von Versuchstieren muss die Stadtverwaltung unabhängig vom Verhältnis zur Universitätsspitze ihren gesetzlichen Aufgaben konsequent und stärker als in der Vergangenheit nachkommen. Die Linksfraktion wird die Entwicklung der Kontrollen von Tierversuchen von nun an regelmäßig bei der Verwaltung abfragen und sich für eine deutliche Verstärkung städtischer Kontrollen einsetzen.

 

*siehe https://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/19/1910850ST2.pdf