Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Sportentwicklungsplanung: Jamaika-Koalition und Verwaltung treten auf die Bremse

Foto: Anatol Koch

Zum Beschluss des Sportausschusses über die Sportentwicklungsplanung erklärt Tobias Haßdenteufel, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion:

Dass die Sportentwicklungsplanung nun vorliegt und zeigt, in welchem bedauernswerten Zustand sich rund die Hälfte aller Bonner Sportstätten befinden, ist ein deutliches Signal. Dies kann aber nur ein erster Schritt sein. Es wäre jetzt an Politik und Verwaltung, die konkreten Maßnahmen, die im Gutachten selbst schon vorgezeichnet sind, in die Tat umzusetzen.

Doch wie die beiden Lesungen im Sportausschuss gezeigt haben, sollte man darauf keine großen Hoffnungen setzen. Ein Änderungsantrag unserer Fraktion forderte die Bereitstellung von jährlich 10 Millionen Euro ab 2021 für die in der Sportentwicklungsplanung identifizierten 15 dringendsten Sanierungs- und Neubauprojekte und den sofortigen Beginn der nötigen Voruntersuchungen für diese konkreten 15 Sporthallen. Dies wurde jedoch von der Koalition als willkürlich und populistisch zurückgewiesen. Da es sich bei unserem Änderungsantrag jedoch lediglich um eine 1:1-Übernahme einer der zentralen Forderungen des Gutachtens handelt, zeigt sich damit in aller Deutlichkeit, wie wenig der Koalition trotz aller Lippenbekenntnisse an einer tatsächlichen Umsetzung der Sportentwicklungsplanung gelegen ist.

Stattdessen hat sich die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage selbst das wenig ehrgeizige Ziel gesetzt, ein konkretes Modernisierungsprogramm in der „zweiten Jahreshälfte 2020“ vorzulegen, erfahrungsgemäß also frühestens im nächsten Dezember. Dann wird sich der neu gewählte Rat nach der Kommunalwahl im September gerade erst konstituiert haben und die Haushaltsberatungen werden sich bis in den Spätsommer 2021 ziehen. Faktisch schiebt die Koalition damit die Einleitung konkreter Maßnahmen auf die lange Bank. Aus rein politisch-taktischen Gründen voraussichtlich mehr als ein Jahr vergehen zu lassen, ohne die Sanierung der Bonner Sportstätten in Angriff zu nehmen, wird aber der Bedeutung des für viel Geld bestellten Gutachtens nicht gerecht und wird auch auf Seiten der Sportlerinnen und Sportler absehbar nur für Frustrationen sorgen.