Skip to main content

Hanno von Raußendorf

Sperrmüll: Einzeltermine verhindern Weiterverwendung – Bonnorange missachtet eigenes Umfrageergebnis

Norbert Schnitzler
Von Norbert Schnitzler - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1166392

Zum „Pilotprojekt“ von Bonnorange, den Sperrmüll in einigen Stadtbezirken nur noch auf Abruf abzuholen, erklärt Hanno von Raußendorf, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion:

„Schon vor Jahren wollte Bonnorange die viertelweiten Sperrmülltermine am liebsten abschaffen und führte dazu zuvor zwei Umfragen durch, in der Hoffnung, dass eine das gewünschte Ergebnis bringt. Doch rund 75% der Teilnehmenden votierten auch bei der letzten Befragung 2014 gegen eine solche Änderung und wollten weiterhin gemeinsame Termine. Damals verlautete von Bonnorange: „Das Ergebnis ist eindeutig … daran werden wir uns halten.“[1] Davon ist nun keine Rede mehr. Mit einem „Test“ bei rund 20% der Straßen folgt nun ein neuer Versuch, doch noch das Ziel zu erreichen und den Ausstieg aus der bisherigen Sperrmüllabholung einzuleiten. Orchestriert wird diese Änderung  wie in der Vergangenheit mit recht unverhohlenen Ressentiments gegen osteuropäische SammlerInnen sowie der Beschwörung unhaltbarer Zustände und angeblicher Müllberge, die in den Straßen liegenbleiben.

Dabei hat es die letzten Jahrzehnte gut funktioniert und kein Stadtteil ist tatsächlich im Müllchaos versunken. Hingegen gibt es kaum eine WG, deren Stühle um den Tisch vollzählig wären, wenn sie nicht vom Sperrmüll kämen. Sessel, Gießkannen, Regale oder Schränke vom Sperrmüll finden sich in vielen Haushalten, zum Teil aufgearbeitet, zum Teil nicht. Das ist sowohl ökologisch sinnvoll als es auch Spaß macht, auf dem Sperrmüll etwas Schönes – das im Auge des Betrachters liegt – zu finden. Auch gegen eine Weiterverwendung etwa in Osteuropa spricht nichts – im Gegenteil. Onlineplattformen für Gebrauchtes sind eine gute Ergänzung, aber kein vollwertiger Ersatz. Bonnorange sollte ihre eigenen Umfragen ernst nehmen und die Innovationen voranbringen, die tatsächlich Müll vermeiden oder eine vollständige Wiederverwendung ermöglichen. Beim Sperrmüll in der bisherigen Form ist das bereits der Fall.“

[1] Generalanzeiger vom 14.3.2014 (Link).