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Kosten der Unterkunft: Mietgrenzen für kleinere Wohnungen in Bonn deutlich zu niedrig

(C) headshots.de
Holger Schmidt

Zur Antwort auf eine Anfrage zu den anerkannten und tatsächlichen Kosten der Unterkunft in Bonn erklärt Holger Schmidt, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion:

Fast 1500 „Bedarfsgemeinschaften“ mussten im vergangenen Jahr in Bonn mehr für ihre Miete und Heizung ausgeben, als ihnen durch die Stadt als Kosten anerkannt und erstattet wurden. Zusammen gut 1,7 Mio. Euro mussten diese im Schnitt etwa zwei Personen umfassenden Haushalte daher aus ihren Regelleistungen oder sehr niedrigen Einkommen begleichen, obwohl diese dafür eigentlich nicht ausreichen. Zwar verbergen sich hinter den Zahlen teilweise auch nur geringfügige Mehrkosten, allerdings steigt der durchschnittliche Fehlbetrag ausweislich der Bundesanstalt für Arbeit in Bonn kontinuierlich an: Waren es 2011 „nur“ 54 Euro, so sind es 2017 bereits 109 Euro gewesen, die „Bedarfsgemeinschaften“ zusätzlich selbst zahlen mussten, um ihre Wohnung zu halten.[1]

Angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt ist es nicht verwunderlich, dass es für viele Betroffene nicht möglich ist, dieser Situation durch einen Umzug innerhalb der Stadt zu entkommen. Selbst die Stadt fasst dies in die Worte: „Das geringe Angebot an gefördertem und/oder bezahlbarem Wohnraum lässt eine intensivere Vermittlung von angemessenem Wohnraum an diesen Personenkreis nicht zu.“[2] Insbesondere für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte ist es bei den derzeitig geltenden Miethöchstbeträgen von 382/484 Euro kalt für bis zu 50 bzw. 65 m2 extrem schwer, überhaupt Angebote zu finden – was jeder weiß, der in diesem Segment in letzter Zeit eine Wohnung gesucht hat. Hinzu kommt, dass alleine die Internetrecherche von verfügbaren Mietangeboten wenig darüber aussagt, ob die Wohnung auch tatsächlich an Menschen vermietet wird, die bei der Bezahlung ihrer Miete auf die Stadt angewiesen sind.

Auch ein Vergleich der festgelegten Angemessenheitsgrenzen mit Köln – dort liegen diese um rund 20% höher, obwohl das Mietniveau insgesamt ca. 10% über dem Bonns liegt – zeigt, dass Bonn seine zulässigen Miethöhen für kleinere Wohnungen schnell deutlich erhöhen muss.  Weder dürfen die ohnehin wirkenden Verdrängungstendenzen zusätzlich verstärkt werden, noch sollten Bedarfsgemeinschaften gezwungen sein, sich Teile ihres eigentlichen Lebensunterhalts für die Miete abzusparen.

 


[1] Siehe Anfrage Drs. 1812605 (Link) sowie Antwort der Verwaltung 1812605ST2 (Link).

[2] Controllingbericht des Amtes für Soziales und Wohnen 30.06.2018, S. 11 (Link hier).