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Holger Schmidt

Bundesviertel: Ohne klare Vorgaben wird der Autoverkehr immer weiter zunehmen

(C) headshots.de

Zu den Großbauprojekten im Bundesviertel und dem nun vorgelegten „Rahmenplan“ erklärt Holger Schmidt, planungspolitischer Sprecher der Linksfraktion Bonn:

„Der „Rahmenplan Bundesviertel“ formuliert zwar auch die zwei hehren Ziele der Mobilitätsveränderung und eines zukünftig nutzungsgemischteren, nicht nur auf Büros ausgerichteten Bundesviertels, doch die Realität sieht erst einmal ganz anders aus. In den massiven Neubauten am  Bundeskanzlerplatz, für das BSI an der Rheinaue und dem geplanten DHL-Neubau an der Baunscheidtstraße wird es keine gemischte Nutzungsstruktur, geschweige denn Wohnraum geben. Auch von den angekündigten „Mobilitätskonzepten“ ist nach bisheriger Erfahrung nicht viel mehr zu erwarten außer Fahrradabstellanlagen. Wirklich einschneidende Vorgaben wie sie ein Antrag der Linksfraktion forderte, etwa den Verzicht auf die Bereitstellung von Dienstwagen zum Privatgebrauch und eine grundsätzliche Verpflichtung der Unternehmen, für alle MitarbeiterInnen ein Jobticket abzunehmen, hat die Ratsmehrheit im vergangenen Jahr abgelehnt. Dies gilt ebenso für eine klare geregelte prozentuale Begrenzung des Autoverkehrsanteils.[1]

Ohne solche Vorgaben wird jedoch selbst eine Verdopplung der Stadtbahnen oder eine Seilbahn angesichts von Tausenden zusätzlich ins Bundesviertel einpendelnden ArbeitnehmerInnen keinen messbaren Umstiegseffekt erzielen können. Es werden zwar auch mehr Menschen den ÖPNV oder das Fahrrad nutzen, aber eben gemäß bisherigem Anteil – und die Zahl der einfahrenden Autos steigt parallel.

Der „Rahmenplan Bundesviertel“ schlägt die Errichtung von sogenannten Mobilitätshubs und Auffangpunkten zum Umstieg auf den ÖPNV vor. Prinzipiell keine schlechte Idee, nur ist es ja so: Privatinvestoren, die nun neue Großgebäude errichten dürfen, sind recht schnell gefunden. Bis hingegen ein ÖPNV-Projekt verwirklicht wurde, vergehen Jahre und Jahrzehnte. Währenddessen ändert sich dann an der eingewöhnten Mobilität nichts. Der Verweis auf das „Mobilitätskonzept“ des Rahmenplans bringt wenig, wenn man nicht schon jetzt grundsätzlich umsteuert. Wer schon nicht das Büroflächenwachstum im Bundesviertel reduzieren will, der sollte dann zumindest mit klaren Vorgaben für eine Begrenzung des Autoverkehrs sorgen.“


[1] Antrag „Rahmenplan Bundesviertel – Mobilitätskonzepte“, Drs. 1811475 (Link).